Methadon

Formel aus:

(#5/45, 53/325, 82/45)

Andere Namen:

Levomethadon, L-Polamidon, Hoechst 10 820, (80/100, 82/45) Miadon(e)®, Methylan® (#53/226), Midadone® (#53/227), Polamidon®: ist das linksdrehende Isomer von Methadon (#53/257), Moteptan® (#53/228), Turanone® (#53/301), Veronyl® (#53/306), Mecodin® (#53/221), Metatone® (#53/223), Methajade® (#53/225), Metasedin®, (#53/225) DL-6-Dimethylamino-4,4-diphenyl-3-heptanon-HCl, (82/15) Heptadon® (Oesterreich). (eigen)

Abb. Syntheseschema von Methadon.

Allgemeines:

Methadon ist ein synthetisches Opioid (Morphin, Heroin, Pethidin und andere, chemisch verschiedende euphorische Rauschdrogen werden als Opioide bezeichnet. Sie werden in dieser Gruppe zusammengefasst, da sie alle qualitativ fast die gleiche Wirkung haben.) Eine der Merkmale der Rauschdroge ist die lange Wirkungsdauer. Die Halbwertszeit, d.h. jene Zeit in der die Haelfte der Substanz abgebaut ist, betraegt ca. 24h-36h. Dies ist auch einer der Hauptgruende, wieso die Substanz in der Substitutionstherapie (Erhaltungstherapie) eingesetzt wird. Durch die lange Halbwertszeit der Substanz kann das Auftreten eines Entzuges innerhalb eines Tages verhindert werden. Weiters ist die Verbindung auch oral gut vertraeglich, weshalb sie schon seit vielen Jahren in der Substitutionsbehandlung von Heroinabhaengigen verwendet wird. Es soll an diesem Punkt an das nachfolgende Kapitel verwiesen werden. (82/15f.)

Die Droge ist von der chemischen Struktur ein Dimethylamino-diphenyl-heptanon. Es ist die Stammsubstanz der sog. Methadonreihe, (#53/224) d.h. es gibt noch eine Reihe verschiedener Substanzen, die fast die gleiche Struktur haben und fast die selbe Wirkung haben. (eigen)

Spezifikation:

Methadon kommt in 2 optischen Isomeren (Spiegelbildern) vor, naemlich d-Methadon und l-Methadon. Das in Oesterreich zur Substitution (als Ersatzdroge) verwendete Methadon ist ein Racemat (Mischung der beiden spiegelbildlichen Methadonarten), das aus 50% l- und 50% d-Methadon besteht. Das linksdrehende Isomer (l-Methadon, oder Levomethadon oder auch l-Polamidon) ist etwa 4x, das Racemat 2x so schmerzlindernd wie Morphin, die Stammsubstanz der Opiate, jenes Opiat Uebrigens, dass den Hauptwirkstoff des Schlafmohnes darstellt. In Deutschland wird l-Polamidon, in Amerika das Racemat fuer die Substitution verwendet. (82/15)

Methadon als Ersatzdroge

Methadon wird heute in einigen Laendern zur Behandlung Heroinsuechtiger (auch anderer Opiatabhaengiger [Anmerk. d. Verf.] verwendet, (80/100) indem man ihnen die Ersatzdroge Methadon anstelle des illegalen Heroins verabreicht, da Methadon die Entzugssymptome von Heroin unterdrueckt und auch teilweise die Wirksamkeit von Heroin hemmt. Man nennt diese Therapieform mit dem Ueberbegriff Substitution (Ersatzdrogentherapie), d.h. die illegale, nicht verschreibungsfaehige Droge Heroin, wird durch andere, legale Ersatzdrogen ersetzt. (eigen)

Durch die Abgabe unter Sicht (Kontrolle des Konsums) in den Apotheken oder zustaendigen Kliniken versucht man auch sicherzustellen, dass die Droge nicht weiterverkauft wird. Methadon kann aber aufgrund seiner schwachen euphorischen Wirkungen das Rauschbeduerfnis vieler Konsumenten nicht ausreichend befriedigen, sodass ein Zukonsum entsteht, oder versucht wird, das ungeliebte Methadon durch staerker euphorisch wirkende Rauschdrogen auszutauschen. Mit Methadon wird auch die Sucht nach Opioiden nicht behandelt, sondern es wird nur versucht zu verhindern, dass der drogenabhAengige Patient kriminell werden muss, um seine Sucht zu finanzieren, da die illegalen Drogen, v.a. Heroin, ein sehr teures Produkt sind. Des weiteren soll, besonders bei Frauen, ein Abgleiten in eine durch die Sucht erzwungene Prostitution, zur Beschaffung der noetigen Mittel zur Finanzierung der eigenen Drogensucht verhindert werden. (eigen)

Methadon wird auch haeufig an Personen abgegeben, die bereits todkrank (v.a. AIDS-krank) und suechtig sind. Gerade bei diesen Menschen ist es notwendig, sie vor den zusaetzlichen toxikologischen Risken der Einnahme verunreinigter Rauschdrogen zu schuetzen. Die Methadonabgabe ist auch haeufig im letzten Stadium sowieso medizinisch notwendig und ist zusammen mit angstloesenden Medikamente (Anxiolytika, z. Bsp. Praxiten, Valium,...) ein Teil der sterbebegleitenden Massnahmen der Schulmedizin. (eigen)

Ein Argument fuer Methadon bei der Einfuehrung der Ersatzdrogentherapie war, dass das Fixen (injezieren) von stark verunreinigten Drogen verhindert werden sollte. Damit waren vor allem Reste der Zigarettenfilter, die aus Cellulose bestehen, und in das Arteriensystem eindringen und dieses sehr feine Netz verstopfen und intensiv schaedigen, gemeint. Aber es waren auch die Verschnittstoffe, die sich oft nur teilweise loesen, bzw. giftig sind, die ausgeschlossen werden sollen. Es ist auch das in Apotheken verwendete Zusatzmittel, dass die Injektion verhindern soll, welches nach dem Schlucken in der Apotheke samt diversen Mundinhaltsstoffen (Speichel, Bakterien,...) in einer speziellen Art und Weise aufgekoechelt wird, dass eine grosse Gefahr fuer die Gesundheit der Menschen darstellt. Bei jenen Personen, die Methadon nur oral konsumieren, bzw. keine anderen Rauschdrogen i.v. konsumieren, ging diese Rechnung auf. Doch wie schon oben erwaehnt, ist das Rauschbeduerfnis groesser wie die Angst vor der toxikologischen Gefahr von i.v. verabreichten Drogen, es wird in diesen Faellen nichts anderes uebrig bleiben, wie injezierbare Drogen anzubieten. Es spricht auch einiges dafuer, bei Menschen mit ausgepraegter Opiatabhaengigkeit, die vor allem Heroin in hohen Dosen konsumieren, als ultima ratia (da alles andere bereits versagt hat) Heroin abzugeben. (eigen)

Es wird auch versucht, bei Drogenkonsumenten die Arbeitsfähigkeit zu verbessern oder sie wieder herzustellen, bzw. sie zu erhalten. Dennoch senkt Methadon die Arbeitsfähigkeit, v.a. durch seine ausgeprAegt beruhigende Wirkung.(eigen)

Die Idee dieses "Methadonprogrammes" ging urspruenglich von Kanada und etwas spaeter von den USA aus. (82/45) Bald erreichte das Konzept die Niederlande, verbreitete sich ueber Deutschland (#53/224) auch nach Österreich. Es kristallisierten sich 3 Typen der Methadonsubstitution heraus:

  1. Methadon-detoxification-program (Methadon fuer den warmen Entzug): Damit meint man die kurzfristige Anwendung der Ersatzdroge Methadon mit staendiger Reduktion (Ausschleichen) bis auf eine Nulldosis. (83/6)

    Es hat sich nach Informationen von Betroffenen herauskristallisiert, dass die Verwendung von Methadon als Ausschleichdroge in der Praxis nicht funktioniert, da die lange Wirkdauer gleichzeitig auch einen sehr langen, schleichenden und quaelenden Entzug bedeutet. Deshalb wird nach meinen Informationen, bei Erreichen der unteren Schwelldosis (geringste Dosis beim Konsumenten, bei der noch kein Entzug auftritt; meist sind dies etwa 30mg Methadon) wiederumg auf ein anderes, kurzwirkendes Opioid, meist Morphin, nach meiner Information, umgestellt, um den Entzug so kurz wie moeglich zu halten. (eigen)

  2. Maintenance to Abstinence (Erhaltung bis zur Abstinenz): Langfristige Methadon-Behandlung mit dem Ziel der Abstinenz (Drogenfreiheit) nach Erreichung der gesundheitlichen Stabilisierung, sozialen Reintegration und beruflichen Rehabilitation; (83/6)

  3. Methadone-maintenance-program (Erhaltungsprogramm): Reines Suchterhaltungsprogramm mit der Umstellung der Abhaengigkeit von Heroin [Anmerk. d. Verf.: auch anderen Opioiden] auf das Opioid Methadon. (83/6)

Methadonsubstitutionstherapie in Oesterreich

Die Verwendung von Methadon hat sich inzwischen in Oesterreich etabliert. (eigen)

Das Methadon, dass in Oesterreichischen Apotheken abgegeben wird, ist meistens nicht geeignet, um injeziert zu werden, da es immer wieder mit diversen Saeften verschnitten wird. Trotzdem konsumieren drogenabhAengige Konsumenten auch andere Rauschdrogen hinzu. Dies ist ein haeufig zu beobachtendes Verhalten und geradezu typisch fuer das Krankheitsbild der Sucht. Die Selbstschaedigung durch die Droge wird bei stark drogenabhaengigen Menschen geringer bewertet als der "flash", das positive Gefuehl, nach der gefixten Aufnahme der Substanz. Gerade bei Menschen, die ein so starkes Suchtverlangen haben, ist die Abgabe von fixbaren Methadon Schutz vor starken Schaedigungen durch die Verwendung nicht injezierbarer Praeparate. In diesem Zusammenhang empfiehlt sich auch die Abgabe, des derzeit noch verbotenen Heroins an diesen Personenkreis, denn auch in diesem Fall ist es besser, die so stark entwickelte Sucht nach der Droge derart zu lindern, dass sie finanzierbar bleibt. Es wird naemlich auch Heroin zukonsumiert, solange, bis es euphorisch wirkt, was durch die Sucht verursachtes, sehr gefaehrliches Verhalten ist. Viele drogenabhaengige Konsumenten suchen den "flash" auch auf die Gefahr des Todes hin. Gerade der immer wieder beobachtete Zukonsum zu Methadon, aufgrund seiner fehlenden euphorischen Komponente, ist eine grosse Gefahr fuer eine Atemlaehmung. Es muss im Einzelfall geprueft werden, ob die Abgabe von oralen Methadon, injezierbaren Methadon oder die Abgabe von Heroin besser waere. Drogentherapie muss auf die Individualitaet des Konsumenten zugeschnitten sein. (eigen)

Voraussetzungen fuer eine Methadonsubstitution:

  1. Personen, bei denen eine mehrjaehrige (d.h. mehr als einjaehrige) Opiatabhaengigkeit und mehrere gescheiterten Entzugsbehandlungen, vorhanden sind.

  2. Menschen, bei denen eine Opiatabhaengigkeit bei gleichzeitig bestehender HIV-Infektion besteht.

  3. Die Ehe- oder Lebenspartner, der obenangefuehrten Personengruppen, wenn diese auch eine mehrjaehrige Opiatabhaengigkeit aufweisen. (82/28)

Durchfuehrung:

  1. Die Pruefung auf den Bedarf einer Substitutionsbehandlung darf nur durch Aerzte erfolgen, die mit der Problematik des Suchtgiftmissbrauchs und der Behandlung von Suchtkranken hinreichend vertraut sind. Neben dem Amtsarzt ist grundsaetzlich ein Facharzt fuer Neurologie und Psychiatrie bzw. Psychiatrie und Neurologie geeignet. Andere Aerzte kommen nur dann in Betracht, wenn sie sich im Rahmen ihrer Berufsausbildung und Berufsausuebung oder Berufsfortbildung besondere Erfahrungen und Kenntnisse auf dem Gebiet der Beurteilung und Behandlung von Suchtkranken aneignen konnten. Das Bundeskanzleramt, Sektion VI - Volksgesundheit, empfiehlt den Sanitaetsdirektionen der jeweiligen Laender, Aerzte, die die Indikationsstellung bzw. auch die Einstellung auf das Substitutionsmittel durchfuehren, zu erfassen. Den Gesundheitsbehoerden der Laender obliegt es, dafuer Sorge zu tragen, dass zur Durchfuehrung der Substitutionsbehandlung entsprechend geeignete Aerzte in ausreichendem Masse zur Verfuegung stehen. (82/28)

  2. Die Einstellung auf die Ersatzdroge kann stationaer oder ambulant erfolgen. Auf Grund der medizinischen Abklaerung ist das Substitutionsmittel und die Dosierung zu bestimmen. Nach bisherigen Erfahrungen hat es sich bewaehrt, die Startdosis schrittweise zu erhoehen. Bei Methadon-HCl als Racemat wird erfahrungsgemaess mit einer Startdosis von 30mg taeglich begonnen. Dosen von 150mg taeglich sollten in der Regel nicht ueberschritten werden. Das Substitutionsmittel darf ausschliesslich in Form einer fuer die muendliche Einnahme geeigneten Zubereitung verordnet werden.(82/28)

  3. Das Substitutionsmittel ist grundsaetzlich nur in Form einer Suchtgift-Dauerverschreibung gem. § 16 der Suchtgiftverordnung 1979 (SGV), BGBl. Nr. 390, zuletzt geaendert durch BGBl. Nr. 15/1987, zu rezeptieren, auch dann, wenn fuer die Substitution Praeparate verordnet werden, die sonst nicht an die Verschreibung mittels Suchtgiftrezept gebunden sind. Dazu zaehlen Paracodin, Codein und andere suchgifthaeltige Zubereitungen, die in Anhang III zur SGV i.d.g.F. fallen. (82/29) Die Rezeptierung fuehrt der behandelnde Artz durch, indem er ein eigenes "Dauerrezept" ausstellt. (eigen)

  4. Abschluss eines Substitutionsvertrages nach erfolger Aufklaerung ueber die Bedingungen: Eine Substitutionsbehandlung darf in Oesterreich nur begonnen werden, wenn der Patient ueber die Behandlungsbedingungen aufgeklaert wurde und sich nachweislich (Es ergibt sich aus der Oesterreichischen Gesetzeslage die Notwendigkeit eines Abschluss eines Substitutionsvertrages, auch Betreuungsvertrag genannt, zwischen dem betreuendem Arzt mit dem drogenabhaengigen Konsumenten) damit einverstanden erklaert hat, dass
    1. er die vorgeschrieben Einnahmeart befolgen wird,
    2. er sich den aerztlichen Kontrollen (auch Harnkontrollen) unterziehen wird,
    3. er den notwendigen zusaetzlichen Betreuungsmassnahmen nachkommen wird,
    4. er jeglichen Missbrauch von Suchtgiften oder Medikamenten unterlassen wird, und
    5. seine Behandlung der Suchtgiftueberwachungsstelle gemeldet wird.(82/28)

  5. Beendigung der Substitution: Sollte von seiten des Patienten oder des behandelten Arztes oder der Institution der Wunsch auftreten, den abgeschlossen Substitutionsvertrag zu loesen, muss ebenso die Suchtgiftueberwachungsstelle mittels einer "Mitteilung ueber die Beendigung der Substitutionstherapie" von der behandelnden Einrichtung/Arzt informiert werden. (82/42)

Inzwischen haben sich die Bedingungen für die Substitution gelockert und die Voraussetzungen für eine Abgabe wurden geändert. So ist es inzwischen möglich Jugendliche zu substituieren, ebenso ist die Erhaltungstherapie inzwischen anerkannt. Aber es wurden auch neue Voraussetzungen geschaffen. So muss der substituierende Arzt eine Schulung machen, dass er Suchtgiftdauerrezepte schreiben darf. Der Ablauf der Verschreibung in Österreich ist nun der folgende: Der Arzt verschreibt auf einen eigenen Dauerrezept das Substitutionsmittel (Methadon, Morphin, Buprenorphin,...), versieht das Rezept mit einer fälschungssicheren Marke und übergibt das 1 Monat gültige Rezept an den Patienten. Dieser muss zum Bezirksamtsarzt und dort muss das Dauerrezept abgestempelt werden. Diese Behörde meldet der Suchtgiftüberwachungsstelle die Substitution. Nachdem das Rezept abgestempelt worden ist muss der Rezept eine Apotheke fragen, ob diese gewillt ist Ihm das Mittel 1 Monat bereitzustelllen. Die Apotheke kann ablehnen! Wenn dies erfolgt ist, steht einer Substitution nichts mehr im Wege. Ausserdem wurde ein grüner Ausweis für Substituierte eingeführt, in dem das Mittel und die Dosis vermerkt sind. (eigen)

Methadonsubstitutionstherapie in Deutschland

Die Methadonsubstitution wurde erstmalig in Deutschland im Bundesstaat Nordrhein-Westfalen getestet. (83/1)

Methadonsubstitutionstherapie in Daenemark

Daenemark verfuegt auch ueber ein Methadonprogramm. (Annual Report on the state of the Drugs Problem in Denmark)

Wirkungen:

Die Verbindung ist ein Opioid und hat fast alle typischen Wirkungen, die auch andere Opioide haben. So ist Methadon ein starkes Schmerzmittel (Analgetika), aber es hat auch eine Reihe von Nebenwirkungen. Verstopfung, starkes Schwitzen bei hohen Dosen und ausserdem eine starke, beruhigende bis einschlaefernde Wirkung sind gegeben. Methadon reizt aber auch, gleich wie Heroin, das Brechzentrum, und kann damit sehr gefährlich werden, wenn es in hohen Dosen missbraucht wird. Eine Ueberdosis ist auch moeglich, wie bei allen anderen Opioiden auch. Diese entsteht dadurch, dass die Rauschdroge die Atmung hemmt, bis sie bei einer fuer den einzelnen Konsumenten typischen Dosis, die Atmung komplett ausschaltet. (eigen)

Die euphorisierende Komponente von Heroin fehlt jedoch. 30 Min. nach der Einnahme durch den Mund kann Methadon im Blutplasma nachgewiesen werden. Die hoechste Konzentration ist nach 4h erreicht. Die Halbwertszeit betraegt ca. 24-36h. Die pharmakologischen Wirkungen entsprechen qualitativ voellig denen des Morphins. Zu den zentralen Wirkungen zaehlen die schmerzlindernde, einschlaefernde, atemdepressive und hustenstillende Wirkung sowie die Verengung der Pupillen ("Stecknadeln"). Einige peripheren Wirkungen verursachen die bekannten Nebenwirkungen, wie Verdauungsbeschwerden und Verstopfung, fallweise Harnverhaltung und Blutdruck-Beschwerden. In hoeheren Dosierungen kann Methadon zu Uebelkeit, Schlaflosigkeit und starkem Schwitzen fuehren. Diese Nebenerscheinungen werden anfangs von noch unerfahrenen Patienten mit Entzugsbeschwerden verwechselt. Bei einer Ueberdosierung kann Methadon durch Laehmung des Atemzentrums toedlich wirken. Die toedliche Dosis bei nicht toleranten Individuen betraegt ca. 1-1,5mg/kg Koerpergewicht. (82/15) Nebenwirkungen sind auch Uebelkeit und Libidoverlust. Alle Nebenwirkungen sind nicht dosisspezifisch, treten aber verstaerkt ab 100mg auf, nehmen wegen Toleranzentwicklung ca. nach einem halben Jahr ab und verschwinden oft nach ein Behandlungsdauer von ueber einem Jahr. Durch die zusaetzliche Einnahme von Alkohol, Barbituraten und Benzodiazepinen kann mengenunabhaengig zu bedrohlichen Atemdepressionen kommen! Typisches Symptom einer Ueberdosis sind Miosis (Stecknadelpupillen!) und Atmungshemmung bis zum Koma. (82/49) Stecknadelpupillen koennen uebrigens bei einem Atemstillstand durch Opioide fehlen. (QUELLE)

Wirkdauer:

Die Halbwertszeit betraegt ca. 24-36h. (82/49)

Sucht:

Da die Verbindung ein Opioid ist, kann man mit den üblichen körperlichen Abhängigkeitssymptomen rechnen. (eigen)

Geschichte:

1940: G. Erhardt und Mitarbeiter entwickelten bei der Firma Hoechst Methadon. (80/100) Waehrend des II. Weltkriegs war man auf der Suche nach stark wirksamen Schmerzmitteln und der Unabhaengigkeit von Importen. Die Firmenbezeichnung war "Hoechst 10.280", Polamidon spaeter der Handelsname. (82/45)

1949: In Oesterreich wurde das noch heute zugelassene "Heptadon" (10mg Ampullen) als Medikament zugelassen und registriert. (82/45)

1960: Methadon wurde erstmals in Kanada und etwas spaeter in den USA systematisch genutzt, um den Opiathunger von Suchtkranken zu befriedigen. (82/45)

Fruehe Vertreter der Methadonsubstitution waren Dole und Nyswander. (82/45)

1.1.1960: Laut eines Berichts des National Board of Health an das European Center for Monitoring Drugs and Drug Addiction (EMCDDA) wurde ab diesen Zeitpunkt die Verschreibung durch Aerzte von Methadon zugelassen. (#90/99)

16.-17.10.1986: Der nordrhein-westfaelische Gesundheitsminister Heinemann veranstaltete in Duesseldorf ein Symposium zu Methadon, aufgrund der erschreckenden Drogensituation und der zusaetzlichen AIDS-Problematik in Deutschland. Auf dieser Tagung referierten auslaendische, anerkannte, Fachleute ueber auslaendische Erfahrungen mit dem Substitutionsprogramm mit der Rauschdroge Methadon. (83/1)

25.-26.6.1987: Der nordrhein-westfaelische Gesundheitsminister Heinemann veranstalte ein Symposium zur Fortschreibung des Methadon-Landesdrogenprogramms. Es wurde von den verschiedensten an der Drogenarbeit Beteiligten ueber die Erfolge der bisherigen Arbeit berichtet und ueber die Weiterentwicklung des Drogenhilfekonzepts diskutiert. (83/1)

14.7.1987: Die nordrhein-westfaelische Landesregierung beschloss die Durchfuehrung eines Modellversuchs zur polamidongestuetzten Rehabilitation Drogenabhaengiger. (83/1)

1988: In den deutschen Staedten Bochum, Duesseldorf und Essen lief der erste Versuch zur Methadon (in Dtld.: Polamidon) Abgabe an. (83/1)

25.9.1987: In Oesterreich ist ein Erlass des Bundeskanzleramtes, Sektion VI (Volksgesundheit), ueber die orale Substitutionsbehandlung unter Geschäftszahl GZ 61.551/14-VI/14/87 von i.v. Drogenabhaengigen ergangen. (82/26)

28.12.1987: Mit Erlass (Geschaeftszahl: V A 2 - 0392.7) von diesem Tag hatte die nordrhein-westfaelische Gesundheitsminister Richtlinien fuer die Abgabe von Methadon an opiatabhaengige Drogenkonsumenten und an HIV-erkrankte OpiatabhAägige festgelegt. Dies war weder eine Anordnung noch eine Erlaubnis, sondern nur eine Richtlinie fuer die Auslegung des § 13 des deutschen BtMG (Betäubungsmittelgesetzes). (83/7)

16.8.1988: An diesem Tag erliess der Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des deutschen Bundesstaates Nordrhein-Westfalen unter der Geschaeftszahl V A 2 - 0392.8 (Ministerialblatt fuer das Land Nordrhein-Westfalen - Nr. 61 vom 15. September 1988) folgende Bekanntmachung Ueber ein "Wissenschaftliches Erprobungsverfahren zur medikamentengestützten Rehabilitation intravenoes Drogenabhaengiger. (83/69)

1.1.1996: Eine Gesetzesnovelle erfolgte in Daenemark (Act no. 435, 14.7.1995) betreffs der Abgabe von Methadon, indem die Regelung der Ablaufmodalitaeten des Methadonprogramms in die Haende der Bezirke uebergeben worden ist. (Annual Report on the state of the Drugs Problem in Denmark, Dec. 1996, S. 99)